Französische Sprachgeschichte

Eine kurze Sprachgeschichte des Französischen

In diesem Artikel möchten wir eine Reihe an interessanten und unterhaltsamen Informationen zum Französischen aufzeigen.

Französisch wird zu den romanischen Sprachen gezählt, welche wiederum einen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie darstellen. Die romanischen Sprachen haben allesamt das gesprochene Latein, das sogenannte Vulgärlatein, als ihre Ursprungssprache. Durch die Expansionspolitik des römischen Reichs wurden nicht nur dessen Macht- und Wirtschaftsbereiche stetig erweitert und konsolidiert, nein, die Besatzungsmacht brachte auch ihre eigene Sprache mit, die im Laufe der Zeit die vormals ansässigen Sprachen und Dialekte (weitgehend) verdrängte.

Aus diesem gesprochenen Vulgärlatein (das nicht mit der schriftlichen lateinischen Hochsprache verwechselt werden sollte) entwickelten sich im Verlauf der Jahrhunderte wiederum jene eigenen, regional verschiedenen Sprachen, wie wir sie heute auffinden.

Sprachgeschichte (Symbolbild). Foto: Pixabay, CC0
Die französische Sprachgeschichte (Symbolbild). Foto: Pixabay, CC0

Die romanischen Sprachen

Zu den romanischen Sprachen zählen – neben dem Französischen – das Italienische, das Spanische, das Portugiesische und das Rumänische. Daneben gibt es noch weitere romanische Sprachen, die von einer geringeren Zahl von Muttersprachlern bis in die heutige Zeit gesprochen werden, wie die galizische, die katalanische, die okzitanische (im Süden Frankreichs und in Teilen Spaniens und Italiens verbreitet), die rätoromanische (in Teilen der Schweiz gesprochen) oder die sardinische Sprache.

Während der Zeit des Kolonialismus (ab Ende des 15. Jahrhunderts) wurden verschiedene romanische Sprachen, allen voran das Spanische, aber natürlich auch die französische Sprache durch die jeweiligen Kolonialmächte in ihre Einflussgebiete getragen und dort etabliert.

Die romanischen Sprachen gehören somit zu den in der Gegenwart am weitesten verbreiteten Sprachen der Welt und werden von etwa 800 Millionen Menschen, vor allem in Europa, Teilen Afrikas sowie Süd- und Mittelamerika als Mutter- oder Zweitsprache gesprochen. Innerhalb dieser Gruppe nimmt das Spanische (mit seinen regionalen Ausprägungen) den Löwenanteil mit etwa 350 Millionen Sprechern ein.

Nun werden Sie sich vielleicht fragen, warum im letzten Abschnitt so viel von den romanischen Sprachen die Rede war, wenn es hier doch um die französische Sprache geht. Einerseits natürlich, um Ihnen die weltweite Verbreitung dieser Sprachen vor Augen zu führen. Andererseits allerdings auch, um Sie an die gemeinsame Wurzel dieser Sprachen zu erinnern.

Wer Französisch sprechen kann, dem wird das Erlernen einer anderen romanischen Sprache – beispielsweise des Italienischen – mit Sicherheit etwas leichter fallen. Wir reden ganz bewusst nicht von „leicht“, dafür haben sich die verschiedenen Sprachen in den letzten 2000 Jahren zu weit voneinander entfernt und waren den unterschiedlichsten Einflüssen ausgesetzt. Jedoch werden Ihnen beim Erlernen einer weiteren romanischen Sprache immer wieder Gemeinsamkeiten zum Französischen auffallen. Schauen Sie sich nur folgendes Beispiel an:

Die Zahl „fünf“ in romanischen Sprachen
Lateinischer UrsprungFranzösischSpanischItalienischPortugiesischRumänisch
quinquecinqcincocinquecincocinci

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Die Geschichte des Französischen

Wie Sie bereits im letzten Abschnitt erfahren haben, hat sich die französische Sprache aus dem gesprochenen (Vulgär-)Latein entwickelt. Zudem hat sie eine Vielzahl an Ausdrücken aus der lateinischen Hochsprache, dem Schriftlatein, in sich aufgenommen, genauso wie aus der keltischen Sprache, die in Gallien vor der römischen Besatzung (ab 58 v. Chr.) gesprochen wurde.

Aus dieser Sprache finden sich – auch trotz der Assimilation der damals ansässigen Bevölkerung an das Vulgärlatein – vor allem Wörter aus dem Bereich der Landwirtschaft (z. B. charrue – Pflug), die keltischen Ursprungs sind. Auch die Konstruktion des typischen französischen Fragesatzes („Est-ce que …?“; wörtlich: „Ist es, dass …?“) geht auf die keltische Sprache zurück.

Während der Herrschaft der Franken im Norden des heutigen Frankreichs (5.-8. Jh.) fanden erneut viele Ausdrücke (eben germanischer Herkunft) Eingang in die gesprochene Sprache (z. B. danser – tanzen).

Weitere Sprachen, die bis zum Mittelalter deutliche Spuren hinterlassen haben, waren (germanische) Wikingersprachen (z. B. vague – Welle), das Englische (die Himmelsrichtungen: nord, sud, est, ouest) und auch das Arabische (z. B. cotton – Baumwolle).

Entwicklung ab dem Mittelalter

Die ersten schriftlichen Zeugnisse des (tatsächlich gesprochenen) Französischen stammen aus dem 9. Jahrhundert, die dominante Hoch- und Schriftsprache war zu dieser Zeit allerdings auch weiterhin (Schrift-)Latein. Ab Ende des 11. Jahrhunderts gewann die französische Sprache für die Lyrik zunehmend an Bedeutung. Von einer einheitlichen Schriftsprache kann zu dieser Zeit jedoch keineswegs die Rede sein, vielmehr wurde in Anlehnung an die unterschiedlichen regionalen Dialekte geschrieben.

Im Jahre 1539 wurde schließlich Französisch in der Ordennance de Villers-Cotterêts als offizielle und ausschließliche Landessprache festgelegt.

Im 16. und 17. Jahrhundert wurden von der neugegründeten Académie française zudem der Schriftstandard und die Grammatik des Französischen einheitlich festgelegt. Als Aufgabe der Académie wurde festgelegt, „mit aller Umsicht und größtmöglicher Sorgfalt unserer Sprache gewisse Regeln zu geben, sie rein und ausdrucksvoll zu machen und zur Behandlung der Künste und Wissenschaften zu befähigen“. Während dieser Zeit verbreitete sich die (einheitliche) französische Schriftsprache durch eine Vielzahl von Schriftstücken in ganz Frankreich. Zu nennen sind hier beispielsweise die Werke der klassischen Dichter des 17. Jahrhunderts wie Molière oder Racine.

Während der Zeit der Aufklärung (17./18. Jahrhundert), mit Vertretern wie Montesquieu, Rousseau oder Voltaire, wurden französischsprachige Schriften weit über die Grenzen Frankreichs bekannt und stärkten so den Einfluss der französischen Sprache in ganz Europa.

Ab dem 17. Jahrhundert wurde die französische Sprache zudem zur Hofsprache des europäischen Adels.

In diese Epoche fällt auch der Aufstieg Frankreichs zu einer der einflussreichsten Kolonialmächte der Welt, die in ihren Kolonialgebieten die französische Sprache etablierte. Aus diesem Grund wird bis heute in einer Vielzahl von Ländern rund um den Globus – wenngleich die meisten früheren Kolonien jetzt unabhängig sind – französisch gesprochen.

Die französische Schriftsprache wird übrigens in allen frankophonen Ländern, also in der Gesamtheit der französischsprachigen Staaten, einheitlich verwendet. Es existieren keine prinzipiellen Unterschiede in der Grammatik oder im Wortschatz, wie sie beispielsweise zwischen dem amerikanischen und dem britischen Englisch oder dem europäischen und dem brasilianischen Portugiesisch bestehen.

Interessenvertretung der frankophonen Länder

Die Organisation internationale de la Francophonie, der heute mehr als 50 Staaten angehören, ist die Interessenvertretung der frankophonen Länder. Die Aufgaben dieser Organisation beinhalten weit mehr als bloßen kulturellen Austausch und Dialog oder kulturpolitische Maßnahmen.

Durch Zusammenarbeit in der Landwirtschaft, in der Energiepolitik, im Handel, der Entwicklungshilfe etc. zwischen den verschiedenen Ländern soll deren Zusammengehörigkeitsgefühl und Solidarität gestärkt, Konflikten vorgebeugt, sowie Rechtsstaatlichkeit und wirtschaftlicher Aufschwung gefördert werden. Andererseits soll durch diesen Zusammenschluss ein Gegengewicht zur anglophonen (englischsprachigen) Welt aufgebaut werden.

Einfluss aus der Englischen Sprache

Einen wichtigen Einfluss auf die französische Sprache stellen Entlehnungen aus dem Englischen dar, seit dem 17. und zunehmend seit dem 19. Jahrhundert – im Zuge von Technisierung und Internationalisierung. So gibt es viele Ausdrücke, die englischen Ursprungs sind, wie vote (Wahlstimme), football (Fußball), ticket (Fahrschein), biftek (Beefsteak), hot dog (Hot Dog, Würstchen), week-end (Wochenende) oder computer (Computer).

Seit einiger Zeit wird seitens der Politik, von Kulturschaffenden und der (bis heute bestehenden) Académie française jedoch versucht, den Einfluss des Englischen auf das Französische durch Initiativen, Gesetze und Verordnungen einzuschränken. So wird propagiert, statt der Anglizismen französische Alternativen zu verwenden. Beispielsweise wurde hiermit erreicht, dass statt des englischen Begriffs „e-mail“, die Bezeichnung „courrier électronique“ (oder deren Kurzform „courriel“) in Frankreich gebräuchlich ist.

Genauso wie die Sprache, wird in Frankreich auch die englischsprachige Musik in Radio und Fernsehen gesetzlich reglementiert. So müssen Radiostationen eine Quote von mindestens 40% an französischen Interpreten einhalten. Ob die Vielzahl an gesetzlichen Regelungen die erwünschten Erfolge (zugunsten einer „Reinhaltung“ des Französischen) zeigen wird, hängt letztlich jedoch freilich von der Akzeptanz in der Bevölkerung ab.

Unterschiede in der geschriebenen und der gesprochenen Sprache

Was Ihnen beim Erlernen des Französischen immer wieder auffallen wird, sind die Unterschiede in der geschriebenen und der gesprochenen Sprache. So werden die meisten Endkonsonanten, wie beispielsweise auch das Plural-s, in der Regel nicht gesprochen, wenngleich sie in der Schriftform auftauchen. Erklärt wird das damit, dass die französische Orthographie (Rechtschreibung) historisch gesehen relativ konstant geblieben ist, während die mündliche Sprache einer weitaus stärkeren Veränderung ausgesetzt war.

Schauen Sie sich hierzu ein Beispiel an. Die folgenden Wörter werden alle gleich ausgesprochen, obwohl ihre Bedeutung und Schreibung unterschiedlich sind:

Alle diese Begriffe werden als [ver] ausgesprochen
verversvertverre
WurmgegengrünGlas

Das bedeutet, dass man in einem Gespräch darauf achten muss, in welchem Kontext das Wort verwendet wird, ob also das [ver] etwas Grünes, ein Glas oder einen Wurm bezeichnet. Was möchten wir Ihnen damit mitteilen? Wir möchten Sie keineswegs entmutigen oder verwirren, nein, vielmehr wollen wir Sie sensibilisieren für die Eigenheiten der französischen Sprache. Wenn Sie deren besondere Merkmale kennen, wird Ihnen das Erlernen des Französischen leichter fallen und – wie wir hoffen – wesentlich mehr Freude bereiten.

Wer spricht französisch?

Wie bereits oben erwähnt, erstreckt sich die Gruppe derjenigen Menschen, die Französisch als Muttersprache sprechen, freilich keineswegs nur auf das Staatsgebiet Frankreichs. Nein, Französisch gehört zu den sieben Weltsprachen (neben Arabisch, Deutsch, Englisch, Portugiesisch, Russisch und Spanisch) und wird neben Frankreich und Belgien vor allem in deren ehemaligen Kolonien als Amtssprache, Verkehrs- oder Zweitsprache verwendet.

Die französische Sprache wird Ihnen also an vielerlei Orten der Welt behilflich sein und Ihnen mit Menschen unterschiedlichster Herkunft und Region eine reibungslose und lebendige Kommunikation ermöglichen.

Die französische Sprache wird weltweit von knapp 95 Millionen Menschen als Muttersprache (deren Erstsprache) gesprochen. Hinzu kommen weitere über 60 Millionen, die sie als ihre Zweitsprache verwenden. Darüber hinaus kommt eine Vielzahl an Menschen hinzu, die Französisch als Fremdsprache für einige Zeit in der Schule, über Sprachkurse oder Auslandsaufenthalte gelernt haben und mit denen Sie sich – mal rudimentär und mal flüssig – in dieser Sprache unterhalten oder verständigen können.

Die französische Sprache hat desweiteren auch vielfältige Spuren im Deutschen hinterlassen. Denken Sie beispielsweise nur an ein „Gourmet-Restaurant“ in dem Sie „à la carte“ bestellen möchten und plötzlich ein „déjà-vu“ haben, weil Sie genau in diesem „Etablissement“ einst ein „tête-à-tête“ just an dem Tisch „vis-à-vis“ mit einem „Compagnon“ hatten. Nun, sicherlich fällt Ihnen gerade noch eine ganze Reihe weiterer Beispiele ein – und Sie denken sich „à propos…!“

….Und noch ein kleines, wenngleich doch recht amüsantes Wissensbonbon:
Wenn Sie sich schon immer einmal gefragt haben, warum in Kinofilmen der Schiffs- oder Flugkapitän bei Notfällen immer „Mayday, Mayday!“ in die Funkanlage ruft: Hiermit möchte er das Bodenpersonal natürlich keineswegs an den Maifeiertag (wie es die wörtliche Übersetzung aus dem Englischen nahelegen würde) erinnern, sondern er verwendet das internationale Notrufzeichen, das sich aus dem französischen Ausdruck „M`aidez!“ (Helfen Sie mir!) ableitet und als vereinfachte Schreibweise zu „Mayday“ wurde.

Hier folgt nun eine Aufzählung, in welchen Staaten die Französische Sprache von besonderer Bedeutung ist:

  • Französisch ist die (oder eine) offizielle Amtssprache in den folgenden Ländern:
    Belgien, Benin, Burkina Faso, Burundi, Djibuti, Elfenbeinküste, Frankreich, Gabun, Guinea, Haiti, Italien, Kamerun, Kanada, den Komoren, Kongo, Luxemburg, Madagaskar, Mali, Monaco, Niger, Ruanda, Schweiz, Senegal, den Seychellen, Togo, Tschad und der Zentralafrikanischen Republik.
  • Desweiteren stellt Französisch eine Verkehrssprache in Algerien, Andorra, Libanon, Marokko, Mauretanien, Mauritius und Tunesien dar. Eine Verkehrssprache ist eine Sprache, die vor allem in Ländern mit einer Vielzahl an unterschiedlichen regionalen Sprachen und Dialekten in Handel, Verwaltung, Bildung, Alltag etc. Verwendung findet.
  • Darüber hinaus ist Französisch offizielle Amts- und oft verwendete Arbeitssprache bei vielen internationalen Organisationen und Bündnissen, beispielsweise bei den Vereinten Nationen, der OSZE und der NATO oder der Europäischen und der Afrikanischen Union.

Nach diesem Überblick zur französischen Sprache empfehlen wir, sich zunächst einmal das französische Alphabet und dessen Besonderheiten anzuschauen.

Quelle: Sprachenlernen24

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