Die Dialekte der italienischen Sprache

In Italien sind Dialekte im ganzen Land weit verbreitet. In den Städten und auf den Dörfern werden heute gleichzeitig Standard-Italienisch und Dialekt – oft auch in Mischformen beider Varianten – gesprochen. Die einzelnen Dialekte des Italienischen unterscheiden sich teilweise sehr stark voneinander, in einigen Fällen ist ihr Status als Dialekt oder eigenständige Sprache auch unter Linguisten umstritten. Alle italienischen Dialekte und in Italien gesprochenen romanischen Sprachen gehen unmittelbar zurück auf das „Vulgär-Lateinische“.

Es ist wichtig anzumerken, dass es sich bei den italienischen Dialekten nicht um degenerierte Formen des italienischen Sprachstandards handelt. Die Dialekte verfügen über eine eigene Sprachgeschichte und einige von ihnen, wie das Sizilianische oder das Venezianische, können stolz auf eine eigene literarische Tradition verweisen.

Italienischen Standardsprache entstand aus Dialekten

Für die Entstehung der italienischen Standardsprache leisteten die Dialekte einen sehr wichtigen Beitrag. Zahlreiche italienische Schriftsteller haben immer wieder daran gearbeitet, Ausdrücke und Wörter aus den Dialekten einer Mehrheit der Italiener verständlich zu machen und sie so in den Standard der Sprache zu integrieren.

Bis zur politischen Vereinigung Italiens 1861 wurde die italienische Sprache außerhalb der Toskana nur von Angehörigen der Oberschicht gesprochen. Obwohl zu diesem Zeitpunkt das Standard-Italienische zur alleinigen Schriftsprache in Italien erhoben wurde, waren die Dialekte bis zum Zweiten Weltkrieg die allgemeine Umgangssprache.

Vergleich der Entwicklung in Deutschland

Ziehen wir zum Vergleich die Entwicklung der Standardsprache in Deutschland heran: Auch dort ist eine nationale Einigung erst spät erfolgt (1870), dennoch hat sich dort eine Nationalsprache etabliert, aufgrund von Faktoren, die in Italien fehlten. Die Mehrheit der Deutschen konnte zu diesen Zeitpunkt sowohl lesen als auch schreiben. Begünstigt wurde die Alphabetisierung in Deutschland vor allem durch den Einfluss des Protestantismus, der vorschrieb, die Bibel selbst zu lesen.

In Italien dagegen waren zu diesem Zeitpunkt (1861) noch 80 Prozent der Bevölkerung Analphabeten. Nur drei Prozent der Bevölkerung sprach Italienisch – alle übrigen Bewohner konnten sich nur in ihren Dialekten verständigen. Die Schwierigkeit bei der Durchsetzung eines landesweiten Standards war, dass man die Verbreitung einer Sprache nicht einfach per Gesetz oder durch Grammatiken und Wörterbücher anordnen konnte. Eine solche Veränderung konnte nur durch gesellschaftliche Faktoren gefördert werden.

Einführung der modernen Medien

Die Einführung und Ausdehnung der modernen Medien (vor allem) nach dem Zweiten Weltkrieg – Tonfilm, Radio und Fernsehen – waren die Faktoren, die die Verbreitung der italienischen Standardsprache in ganz Italien entscheidend prägten. Kino und Fernsehen haben so als Medien eine linguistische und kulturelle Vereinheitlichung bei der Bevölkerung durchsetzen können. Die für ein breites Publikum bestimmten Filme erfordern Dialoge mit kurzer, einfacher Sprache, das heißt den Gebrauch von traditionellen, allen Bürgern bekannten sprachlichen Formen.

Durch die Medien wurde sogar eine „Italianisierung“ der verschiedenen Dialekte erreicht. Die Formen und Strukturen der Standardsprache haben auch die Formen und die Strukturen der verschiedenen italienischen Mundarten beeinflusst.

Inzwischen wächst die Anzahl der Sprecher, die Italienisch als Muttersprache sprechen, beständig weiter. Mit diesem Anwachsen geht einher, dass gleichzeitig die Anzahl der Dialektsprecher immer kleiner wird. Anderseits ist es kein Widerspruch – vielmehr eine Konstante der Sprachgeschichte – dass auch heute noch die Dialekte einen fortwährenden Einfluss auf die italienische Standardsprache haben.

Quelle: Sprachenlernen24

Italienische Dialekte
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