Frischen Sie gerade Ihr Türkisch auf? Dazu gehört ja nicht nur das Wiederholen und Lernen von Wortschatz, sondern auch ein wenig Grammatikkenntnisse…

Hier wollen wir allen, die gerade Türkisch lernen, ein wenig behilflich sein.

Entscheidende Voraussetzung beim Lernen: Grundbegriffe kennen

Wenn Sie eine Fremdsprache im Selbststudium lernen, werden Sie sich auch die Grammatik der Sprache im Wesentlichen alleine erarbeiten. Wenn Sie nun alleine mit einem Lehrwerk arbeiten möchten, ist es entscheidend, dass Sie ein solides Grundlagenwissen über die Grundbegriffe haben, mit denen Grammatik beschrieben wird.

Denn um die Grammatik einer Sprache zu erklären, braucht man selbstverständlich auch Sprache mit bestimmten Spezialbegriffen und Fachwörtern.

Türkische Grammatik lernen

Angenommen Sie lernen gerade Türkisch und in Ihrer Grammatik finden Sie den folgenden Text, der Ihnen erklären möchte, wie man den Plural im Türkischen bildet:

„Wie setzt man ein Substantiv im Türkischen von der Einzahl in die Mehrzahl?
Grundsätzlich müssen Sie sich merken, dass man den Plural im Türkischen bildet, indem man ein Suffix an die Grundform des Substantivs anhängt. Dieses Suffix ist -ler bzw. -lar.“

Um diese Passage verstehen zu können, müssen Sie wissen, was die Begriffe Substantiv, Einzahl, Mehrzahl, Plural, Suffix und Grundform bedeuten.

Schauen wir uns diese Begriffe näher an:

  • Ein Substantiv bezeichnet man auch als Hauptwort, Namenwort oder Nomen.
    Das Substantiv ist eine Art von Wörtern, die Lebewesen (Bsp: Mensch, Tier, etc.), Gegenstände (Bsp.: Auto, Haus), abstrakte Begriffe (Bsp.: Idee, Liebe), Sachverhalte (Bsp.: Rechtslage) oder Eigenschaften (Bsp: Stolz, Schönheit) bezeichnet.
    Im Deutschen werden Substantive immer groß geschrieben.
    In vielen Sprachen werden Substantive flektiert (d.h. gebeugt).
  • Die Einzahl – auch als Singular bezeichnet – benennt die Anzahl (den Numerus) eines Substantivs.
    Das Wort Singular bedeutet, dass dieses Substantiv nur ein Mal vorkommt.
    Beispiele aus dem Deutschen für ein Substantiv im Singular sind: ein Auto, ein Haus etc.
  • Die Mehrzahl – auch als Plural bezeichnet – kennzeichnet, dass ein Substantiv in größerer Zahl (mehr als eines) vorkommt.
    Beispiele aus dem Deutschen für Substantive im Plural sind: zwei Autos, drei Häuser etc.
  • Die deutsche Bezeichnung des lateinischen Fachbegriffs Suffix ist Nachsilbe und steht für eine Silbe, die hinten an ein Wort angefügt wird.
  • Als Grundform wird die nicht-flektierte Form eines Wortes bezeichnet.
    Bei Substantiven ist dies das Wort im Nominativ (dem 1. Fall/ Wer-Fall) im Singular.

Nur mit diesem Hintergrundwissen ausgestattet, werden Sie verstehen, wie man im Türkischen ein Substantiv von der Einzahl in die Mehrzahl setzt.

Die Pluralbildung im Türkischen

Da Sie nun das nötige Hintergrundwissen haben, können wir die oben beschriebene Regel nun gleich anwenden und die Pluralbildung im Türkischen lernen:

  • Das Suffix, das im Türkischen angehängt wird, ist -ler (bei Wörtern mit hellen Vokalen) und -lar (bei Wörtern mit dunklen Vokalen).
  • Helle Vokale des Türkischen sind e – i – ö – ü.
  • Als dunkle Vokale werden a – ı – o – u bezeichnet.

In dieser Tabelle zeigen wir Ihnen nun konkrete Beispiele zur Pluralbildung im Türkischen:

Substantive mit hellen Vokalen:
e – i – ö – ü
Substantive mit dunklen Vokalen:
a – ı – o – u
anne (Mutter) anneler (Mütter) baba (Vater) babalar (Väter)
teyze (Tante) teyzeler (Tanten) dayı (Onkel) dayılar (Onkels)
yetişkin (Erwachsener) yetişkinler (Erwachsene) çocuk (Kind) çocuklar (Kinder)

Die große und kleine Vokalharmonie

Ein herausragendes Kennzeichen der Turksprachen ist ihr agglutinierender Sprachbau, dessen zentrales Prinzip darin besteht, Nachsilben an ein Wort anzuhängen.

Durch das Anhängen dieser Suffixe kann die Bedeutung erweitert oder verändert werden. Das ist auch der Grund dafür, dass man im Türkischen komplexe Sachverhalte mit nur einem Wort ausdrücken kann, da viele Informationen in nur einem Ausdruck stecken.

Nehmen wir als Beispiel das türkische Wort okullarda:

  • Der erste Teil des Wortes (okul) bedeutet „Schule“ oder auch „die Schule“. Ganz genau kann man das im Türkischen nicht unterscheiden, denn es gibt keinen bestimmten Artikel.
  • Der Plural – die Mehrzahl – von Schule heißt auf Türkisch: okullar (und auf Deutsch natürlich: die Schulen).
  • Okullarda schließlich kann man mit „in den Schulen“ ins Deutsche übersetzen. (Karşıdakiler heißt beispielsweise „diejenigen, die sich gegenüberstehen“ oder yaptırmayacca ğiz bedeutet „wir werden nicht tun lassen“.)

Das Türkische besitzt eine einfache und sehr logische Grammatik, die von nahezu mathematischer Schönheit ist. (So kann beispielsweise bereits am Infinitivstamm eines Verbs erkannt werden, ob das Verb die Endung -mek oder -mak bekommt).

Insgesamt ist die türkischen Grammatik von nur wenigen Ausnahmefällen geprägt, was dem Türkisch Lernenden sehr zu Gute kommt. Außerdem gibt es kein grammatisches Geschlecht und keine Artikel (außer bir „ein“, „eine“).

Allerdings muss man sich als Türkischanfänger, zuerst einmal mit den Vokalharmonien auseinandersetzen und diese gut verinnerlichen. Im nächsten Abschnitt erklären wir Ihnen die wichtigste Grundlage der Türkisch-Grammatik, ohne die kein grammatisches Phänomen verstanden werden kann.

Die kleine Vokalharmonie im Türkischen

Unter einer „Vokalharmonie“ versteht man jede Angleichung von Vokalen an den Artikulationsort und die Artikulationsweise eines anderen Vokals.

Das heißt die Vokalharmonie steuert Abfolgen und eventuell Umwandlungen der Vokale in einzelnen Wörtern.

Diese Umwandlungen kommen dann vor, wenn alle Vokale eines Wortes zur selben Art von Vokalen gehören.

Im Türkischen unterscheidet man zwei Arten von Vokalen:
helle (vordere) und dunkle (hintere oder ungerundete) Vokale.

Zu den dunklen Vokalen zählt man: a, ı, o und u.
Sie entstehen im hinteren Bereich des Mundraums.

Zu den hellen Vokalen zählt man: e, i, ö und ü.
Sie werden vorne im Mundraum gebildet.

Mit Hilfe der folgenden Tabelle können Sie durch lautes Aussprechen der Beispielwörter die Unterschiede zwischen hellen und dunklen Vokalen vergleichen.

oda (das Zimmer), odalar (die Zimmer) gece (die Nacht), geceler (die Nächte)
hanım (die Dame, die Frau), hanımlar (die Damen, die Frauen) güneş (die Sonne), güneşler (die Sonnen)
hatıra (das Souvenir), hatıralar (die Souvenirs) deniz (das Meer), denizler (die Meere)

Bestimmt ist Ihnen bei der Aussprache der Wörter etwas aufgefallen!

Richtig, für das türkische Sprachempfinden hört es sich einfach besser an, wenn nur helle oder nur dunkle Vokale in einem Wort vorkommen. Und genau dafür sorgt die kleine Vokalharmonie!

So zum Beispiel auch bei der Pluralbildung der Wörter, die im Türkischen je nach vorangegangenem hellen oder dunklen Vokal mit (den Morphemen) -lar oder -ler gebildet werden.

Der Vokal des Suffixes lautet entsprechend dem letzten Vokal des Wortes, an den das Suffix tritt:
a – ı – o – u → a
e – i – ö – ü → e

Die kleine Vokalharmonie tritt nicht nur bei der Pluralbildung im Türkischen auf, sondern auch bei den Suffixen des Lokativs (-de/-da), des Ablativs (-den/-dan), sowie bei den Kasusendungen des Dativs (-e/-a).

Schauen Sie sich dazu die folgende Tabelle an:

Plural ev
oda
evler
odalar
Häuser
Zimmer
Dativ ev
oda
eve
odaya*
nach Hause
in das Zimmer
Lokativ ev
oda
evde
odada
im Haus
im Zimmer
Ablativ ev
oda
evden
odadan
aus dem Haus
aus dem Zimmer

*In diesem Fall hat sich zwischen dem Wort und seinem Suffix der Füllkonsonant y eingeschlichen. Dafür gibt es eine einfache Erklärung:

Beim Anhängen von Suffixen an ein Wort vermeidet das Türkische das Aufeinanderstoßen von zwei Vokalen. Endet zum Beispiel das Wort auf einen Vokal, so werden als Füllkonsonanten n, s, ş oder y zwischen Suffix und Wort eingefügt.

Die große Vokalharmonie im Türkischen

Wie Sie bereits gesehen haben, unterliegen einige grammatische Phänomene im Türkischen der kleinen Vokalharmonie.

Andere wiederum unterliegen der großen Vokalharmonie. Diese tritt bei den Suffixen der Kasusendung im Genitiv und Akkusativ, bei allen Personal- und Possessivendungen, sowie bei den Ordnungszahlen und dem Fragepartikel -mi auf.

In der folgenden Tabelle finden Sie Beispiele für das Schema der großen Vokalharmonie anhand der Personalendung für die erste Person Singular -im:

Der letzte Vokal eines Wortes ist
e oder i Sekrterim Ich bin Sekretärin.
İngilizim Ich bin Engländer.
a oder ı Avukatım Ich bin Rechtsanwalt.
Fransızım Ich bin Franzose.
ö oder ü Şöförüm Ich bin Chauffeur.
Türküm Ich bin Türke.
o oder u Doktorum Ich bin Arzt.
Rusum Ich bin Russe.

Wie Sie sehen, können diese Suffixe in vierfacher Form vorkommen:
in unseren Beispielen finden Sie die Suffixe im, ım, um, üm.

Deswegen spricht man bei der großen Vokalharmonie ebenfalls von der vierförmigen Suffixvokalharmonie im Vergleich zur zweiförmigen Suffixvokalharmonie bei der kleinen Vokalharmonie (beispielsweise -lar und -ler bei der Pluralbildung).

Als Faustregel für die große Vokalharmonie können wir nun Folgendes zusammenfassen:
e und i → i
ö und ü → ü
a und ı → ı
o und u → u

Nach dem selben Prinzip funktioniert auch die Vokalangleichung für die Bildung des Akkusativs und des Genitivs, sowie alle Possessivendungen. Die folgende Tabelle zeigt Ihnen exemplarisch die Bildung der Ordnungszahlen, die ebenfalls der großen Vokalharmonie unterliegt:

Kardinalzahl Ordnungszahl
eins: bir erster: birinci
drei: üç dritter: üçüncü
sechs: altı sechster: altıncı
neun: dokuz neunter: dokuzuncu

Weitere Informationen

Wir wünschen viel Spaß beim Üben der türkischen Grammatik!

Quelle: Sprachenlernen24

Türkische Grammatik
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