Haben Sie sich dazu entschlossen, eine Fremdsprache zu erlernen, die nicht das lateinische Alphabet benutzt, sondern ein Ihnen noch unbekanntes, wie z.B. das kyrillische Alphabet im Russischen, ist es natürlich erst einmal nötig, sich mit diesem neuen Schriftsystem vertraut zu machen, sich die Buchstaben und dazugehörige Laute einzuprägen und diese Kenntnisse dann zu vertiefen und zu festigen. Dieses Festigen können Sie durch Lesen und Schreiben erreichen.

Vielleicht denken Sie jetzt: „Was soll ich denn schreiben, wenn ich gerade erst damit beginne, die Sprache zu lernen?“

Unterschätzen Sie jedoch nicht die Lernleistung des Gehirns, auch wenn Sie am Anfang Buchstaben oder kürzere Wörter nur „nachmalen“, also abschreiben.

Sprachen mit anderen Schriftsystemen: Russisch

Die kyrillische Schrift ist in weiten Teilen Osteuropas und Nordasiens verbreitet.

Der Name des Alphabets leitet sich vom Slawenapostel Kyrill ab, der zusammen mit dem Heiligen Method im 9. Jahrhundert die christliche Missionierung der slawischen Völker betrieben hat. Kyrill soll damals eine Schrift entwickelt haben, die als Vorläufer des heutigen Kyrillisch gilt.

Die kyrillische Schrift ist, genauso wie die lateinische Schrift (die Sie gerade jetzt lesen), eine Weiterentwicklung des altgriechischen Alphabets.

Das kyrillische Alphabet ist in vielen slawischen Sprachen die Schriftnorm. Darüber hinaus gibt es allerdings auch nicht-slawische Sprachen, die auf Kyrillisch verfasst werden.

Zu den am weitesten verbreiteten Sprachen, die die kyrillische Schrift verwenden, zählen Bulgarisch, Kasachisch, Kirgisisch, Mazedonisch, Mongolisch, Russisch, Serbisch, Tschetschenisch, Ukrainisch und Weißrussisch.

Die kyrillische Schrift weist, je nach Sprache oder Land in dem sie verwendet wird, oftmals kleinere Unterschiede auf. Diese betreffen hauptsächlich die Aussprache einzelner Buchstaben, sowie die Verwendung zusätzlicher Buchstaben, um alle Laute der Sprache ausdrücken und niederschreiben zu können.

Unsichtbare Verwandtschaft: Kyrillisch und Deutsch

Beim kyrillischen Alphabet ist es auch erst einmal von Vorteil, sich klarzumachen, dass nur eine bestimmte Anzahl an neuen Buchstaben gelernt werden muss, da einige kyrillische Buchstaben sowohl im Schriftbild als auch im Lautwert mit den Buchstaben und Lauten im Deutschen übereinstimmen (z.B. russisch T, t entspricht dem deutschen T, t).

Außerdem gibt es eine Reihe an Buchstaben, die zwar einen anderen Lautwert besitzen, jedoch genau so aussehen wie lateinische Buchstaben. Hier müssen Sie also nur noch andere Laute zu schon bekannten Buchstabenzeichen lernen (z.B. das russische Н, н entspricht dem deutschen N, n).

Genau umgekehrt gibt es dieses Verhältnis auch: Sie kennen bereits die Laute und müssen nur noch neue Buchstabenzeichen dazu lernen. Das russische Д, д sieht zwar anders aus als das deutsche D, d; von der Aussprache her gesehen gibt es jedoch keine Unterschiede.

Bricht man das kyrillische Alphabet so auf einzelne Buchstaben- bzw. Lautgruppen herunter, bleiben letztendlich noch ein paar einzelne Buchstaben übrig, die sowohl eine andere Gestalt als auch einen anderen Laut haben, als Sie vom Deutschen gewöhnt sind.

Und wer wird schon an ein paar Buchstaben scheitern?!

Alphabet für die russische Sprache

Das folgende Alphabet ist das Alphabet für die russische Sprache. Russisch ist die meist gesprochene aller Sprachen, die mit dem kyrillischen Alphabet verfassten werden.

Russisch lateinische Umschrift russisches Bsp. vergleichbare Aussprache in dt. Bsp.
А а a Анна(Anna) Kampf, fallen
Б б b Бори́с (Boris) Besen, Gabel
В в w Влади́мир (Wladimir) Wetter, Vase
Г г g Гли́нка (Glinka) gehen, gut
Д д d Дон (Don) dort, danke
Е е e Ле́на (Lena) vor hartem Konsonanten und am Wortende: wie dt. offenes e in Kern, Meer

vor weichem Konsonanten: wie dt. geschlossenes e in See, Tee, leben

Е е je (am Wortanfang, nach Vokalen und nach ъ und ь) Никола́ев (Nikolajew) jetzt, jemals, jedoch
Ё ё jo Алёша (Aljoscha) Joghurt, Jod, jodeln
Ё ё o (nach ж, ч, ш, щ) Пугачёв (Pugatschow) wie dt. offenes o in offen, Post
Ж ж sh Жуко́вский (Shukowski) wie franz. stimmhaftes sch in Journal, Gendarm, Garage, Etage
З з s Заха́ров (Sacharow) wie dt. stimmhaftes s in Rose, Sonne
И и i Ивано́в (Iwanow) am Wortanfang, nach Vokalbuchstaben und nach weichen Konsonanten: etwa wie dt. geschlossenes i in ideal, Kritik, ihr, Ziel

nach den harten Zischlauten ш und ж ausgesprochen als i-artiger Laut (nicht im Deutschen)

Й й i (nach a, o, y, ю, я, wenn danach kein е oder о folgt) Ча́йка (Tschaika), Толсто́й (Tolstoi) Mai, Koi
j (vore,o; nach e) Ка́йев (Kajew) ja, Yacht
nicht gesprochen (nach и und ы) Го́рький (Gorki), Южный (Juschny), Жуко́вский (Schukowski) nicht gesprochen
К к k Ка́ма (Kama) Kuchen, kalt
Л л l Ломоно́сов (Lomonossow) dunkler als im dt.; vgl. engl. l in all
М м m Москва (Moskwa) Mann, Maus
Н н n Ни́на (Nina) nett, Nacht
О о o Омск (Omsk) wie dt. offenes o in offen, Post
П п p Пу́шкин (Puschkin) Post, pleite
Р р r Ре́пин (Repin) Zungenspitzen-r wie in süddt. Dialekten; Rose, rot
C c ss Весело́в (Wesselow) Wasser, vergessen
s Си́монов (Simonow) fast, Reis
Т т t Ту́ргенев (Turgenjew) Tag, retten
У у u Вну́ково (Wnukowo) wie dt. geschlossenes u in Schule, Instrument, Union
Ф ф f Фе́дин (Fedin) Vogel, fressen
Х х ch Че́хов (Tschechow)
 
Брунхильда (Brunchilda)
Bach, Buch
Ц ц z Цвета́ева (Zwetajewa) zwei, Zeit
Ч ч tsch Че́хов (Tschechow) Tschüs, Matsch
Ш ш sch Шо́лохов (Scholochow) schwierig, Schule
Щ щ schtsch Ро́щин (Roschtschin) Borschtsch (Suppe aus roten Rüben)
Ъ ъ nicht gesprochen; macht vorangehenden Konsonanten hart объём (objom)
 
Härtezeichen
Ы ы y Крыло́в (Krylow) nach harten Konsonanten (außer ш und ж) als i-artiger Laut, den es im Deutschen so nicht gibt.
Ь ь j (vor и, е und о) Ильи́ч (Iljitsch)
nicht gesprochen Обь (Ob)
 
Weichheitszeichen
macht vorangehenden Konsonanten weich/palatalisiert
Э э e Эренбург (Ehrenburg) wie deutsches ä in Ärger, Väter
Ю ю ju Лю́ба (Ljuba) Juni, Jubel
Я я ja Я́лта (Jalta) Januar, Yacht, Jagd

Wörter deutschen Ursprungs im Russischen – eine erste Leseübung

Im Russischen gibt es auch eine Reihe von Wörtern, die aus dem Deutschen kommen und Eingang in die russische Sprache gefunden haben. Diese können Sie leicht erraten – Sie brauchen bloß die Buchstaben im Alphabet nachschlagen – und lernen so gleichzeitig die Schrift besser kennen: Einige russische Wörter deutschen Ursprungs sind:

Einige russische Wörter deutschen Ursprungs

айсберг фейерверк полтергейст
брудершафт гастарбайтер вундеркинд
эндшпиль ландшафт цугцванг

Wenn Sie möchten, können Sie sich das Alphabet und diese Leseübung als PDF herunterladen.

So haben Sie dann immer das Alphabet zur Hand, wenn Sie russische Wörter oder Texte lesen möchten.

Unterschiede in der Umschrift

Wenn kyrillische Namen mit lateinischen Buchstaben wiedergegeben werden, kommt es je nach verwendetem Umschriftstandard zu teilweise beachtlichen Unterschieden in der Schreibweise.

Achten Sie beispielsweise bei der nächsten Wahl in Russland, wenn jemand gewählt wurde, der zuvor noch nicht auf internationalem Parkett bekannt war, auf die Schreibung seines Namens in den verschiedenen deutschen Tageszeitungen. Sie werden überrascht sein, wie unterschiedlich der Name hierzulande gerade zu Anfang der Berichterstattung geschrieben wird.

Auch zwischen verschiedenen Sprachen sind die Schreibweisen von ursprünglich kyrillisch geschriebenen Namen auffallend unterschiedlich.

Sehen Sie sich nur den Namen des ehemaligen sowjetischen Präsidenten in verschiedenen Sprachen mit lateinischer Schrift an:

Kyrillisch Deutsch Französisch Englisch Spanisch
Михаил Горбачёв Michail Gorbatschow Mikhaïl Gorbatchev Mikhail Gorbachev Mijaíl Gorbachov
Türkisch Italienisch Niederländisch Polnisch Tschechisch
Mihail Gorbaçov Michail Gorbačëv Michail Gorbatsjov Michaił Gorbaczow Michail Gorbačov

Wie Sie sehen, gibt es zahlreiche Möglichkeiten der Wiedergabe mit lateinischer Schrift. In Deutschland gilt jedoch diejenige Umschrift als Standard, die Sie auch im hier abgebildeten Alphabet sehen können.

Die Betonung gibt den Ton an

Die Betonung der Wörter mitzulernen ist deshalb wichtig, weil es im Russischen eine sogenannte Nebensilbenabschwächung gibt. Diese gibt es im Deutschen zwar auch, betrifft jedoch nur Nebensilben, in denen der Vokal e auftritt.

Dann wird das e zu einem sogenannten „Schwa-Laut“ reduziert:

Das e am Ende von bitte z.B. wird kürzer und etwas anders gesprochen als das erste e in beten.
Manchmal wird auch ein e in der deutschen Aussprache komplett „verschluckt“ wie es z.B. in dem Wort Leben der Fall ist.
Wenn Sie genau hinhören, werden Sie feststellen, dass Sie eher „Lebn“ sagen.

Im Russischen gibt es zwar den Fall nicht, dass Vokale komplett weggelassen werden, sie werden jedoch auch verkürzt und etwas anders ausgesprochen, wenn sie in nicht betonten Silben stehen.
Diese Abschwächung betrifft die russischen Vokale a, o, e und я.

Deshalb ist es wichtig, den Wortakzent bei neuen Vokabeln gleich mitzulernen, um dann das Wort auch richtig aussprechen zu können.

Internationalismen

Wenn Sie zu Beginn im kyrillischen Alphabet noch nicht so sicher sind, bietet es sich an, sogenannte Internationalismen zur Übung zu lesen. Internationalismen sind Wörter, die in sehr vielen Sprachen entweder gleich oder zumindest sehr ähnlich sind. So können Sie Buchstabe für Buchstabe lesen und werden die Wörter dennoch relativ schnell erkennen.

Hier erfahren Sie mehr über Internationalismen

Märchenstunde

In einem fortgeschritteneren Stadium beim Erlernen der Fremdsprache eignen sich Kinderliteratur oder Comics sehr gut. Hier haben Sie einerseits authentische russische Texte zur Übung, die Sprache ist dabei aber noch relativ einfach gehalten, sowohl was Wortwahl und Satzbau betrifft. Bei Comics können Sie zusätzlich den Inhalt anhand der Bilder erschließen. Bei Kinderbüchern bieten sich Märchen an, die Sie bereits aus dem Deutschen kennen.

Quelle: Sprachenlernen24