In den meisten Ländern Südamerikas wird Spanisch als Muttersprache gesprochen.

Da seit der Kolonialisierung durch die Spanier einige Jahrhunderte vergangen sind, gibt es jedoch gewisse Abweichungen zum europäischen Spanisch.

Wie unterscheiden sich die amerikanische und die europäische Variante?

Die Unterschiede in der Schrift- und Verkehrssprache sind nicht allzu groß, die Umgangssprachen und Dialekte der einzelnen Länder unterscheiden sich dagegen teilweise recht deutlich in der Aussprache und auch im Vokabular. Ein besonders charakteristisches Merkmal lateinamerikanischer Sprecher ist die vom europäischen Spanischen stark abweichende Sprachmelodie.

Zusammenfassend kann man feststellen, dass das Spanisch des europäischen Festlandes und das Spanisch Lateinamerikas sich hinsichtlich drei Dimensionen unterscheiden: Wortschatz, Aussprache und Grammatik.

Unterschiede im Wortschatz

Es gibt oft große Unterschiede im Wortschatz, die manchmal zu peinlichen Situationen oder Verständigungsproblemen führen können:

  • In Lateinamerika werden Sie oft colectivo als Synonym für autobús (dt. Bus) hören.
  • In Spanien aber meint man mit colectivo nur ein Kollektiv im Sinne einer Gruppe von Personen – kein öffentliches Verkehrsmittel.

Dies ist nur eines von vielen, vielen Beispielen unterschiedlicher Entwicklungen im Wortschatz der beiden Varianten dieser Sprache. So manche, häufig benutzte Wörter können ganz unterschiedliche Bedeutungen haben. Da dieser Bedeutungswechsel oft in den Bereich sexueller Konnotationen geht, sollten Sie diese Unterschiede kennenlernen um peinliche Situationen zu vermeiden.

Unterschiede in der Aussprache

Hinsichtlich der Aussprache gibt es aufgrund Einflüsse der indigenen Ur-Bevölkerung und diverser eigenständiger Entwicklungen ebenfalls einige Unterschiede.

In Lateinamerika gibt es zwei phonologische Phänomene, die den ganz speziellen Sound in den Staaten Südamerikas ausmachen.

  • Das ist zum einen der sogenannte Seseo. Dieses linguistische Phänomen hat mit der Aussprache der Buchstaben c, s und z zu tun.
  • Die zweite Besonderheit benennt die spanische Sprachwissenschaft mit der Bezeichnung Yeísmo. Dabei werden der Buchstaben j und die Buchstabenkombination ll anders ausgesprochen als im Kastilischen.

Diese beiden Phänomene tauchen aber nicht in allen Ländern Lateinamerikas auf.

Unterschiede in der Grammatik

Und schließlich sind auch einige grammatische Feinheiten und einige größere Unterschiede zu beachten. Die Unterschiede sind zwar klein, wenn man die Fülle grammatischer Regeln und Phänomene in ihrer Gesamtheit betrachtet. Aber dennoch sollte man drei Besonderheiten des Spanischen in Lateinamerika kennen. Das macht einfach das wirkliche Kennen und Können einer Sprache aus.

Die Besonderheiten, auf die eben angespielt wurde, sind: der sogenannte „Voseo“ Sie hören in Südamerika beispielsweise statt tú comes (dt. du isst) vos comés und in der Folge Verschiebungen im Pronominalgefüge, sowie das linguistische Phänomen des „Loismo“.

Diese Besonderheit tritt nur beim Ersetzen männlicher Akkusativobjekte im Singular auf. In diesem Fall verwendet man auf dem europäischen Festland le und in Südamerika lo. Von diesem lo leitet sich auch die Bezeichnung Loismo ab.

Neben Voseo und Loismo gibt es in manchen Ländern noch einige Vorlieben, was den Gebrauch bzw. den Nicht-Gebrauch bestimmter Zeiten angeht. Beginnen wir mit der Vergangenheit: Die Zeit, die dem deutschen Perfekt entspricht – das pretérito perfecto – wird in Lateinamerika nicht gerne eingesetzt, um Handlungen in der Vergangenheit zu kennzeichnen und zu beschreiben. Man greift stattdessen bevorzugt auf das pretérito indefinido zurück. Die Absicht des Sprechers ist in diesen Fällen, das Noch-Andauern einer Handlung, die in der Vergangenheit begonnen hat, zu betonen.

Auch beim Gebrauch der Bildungsmöglichkeiten der Futurform hat man in Lateinamerika eine eindeutige Vorliebe:

  • Auf dem europäischen Festland kann man das Futur auf zwei Arten bilden: Zum einen kann man eine zusammengesetzte Form mit (ir + a + Infinitiv des Verbs) benutzen. Dies macht man vor allem in der Umgangssprache um auszudrücken, dass eine Handlung ganz sicher eintreten wird. Wenn man sich nicht sicher ist, ob etwas in der Zukunft passieren wird oder nicht, benutzt man eine spezielle Verbform.
  • Anders in Lateinamerika, dort favorisiert man allgemein die Bildung der Zukunft mit „ir + a + Infinitivform des Verbs“. Man unterscheidet hier nicht zwischen sicheren Aussagen und Vermutungen über die Zukunft.

Im Imperfekt des subjunctivo (dem pretérito imperfecto de subjuntivo) kann man auf dem europäischen Festland zwischen zwei Arten der Bildung wählen: Diese Zeit kann man erstens mit Formen auf -ra bilden und zweitens mit Formen auf -se bilden. In Lateinamerika bildet man diese Zeit nur mit den Formen auf -ra.

Wir hoffen, Ihnen mit dieser kurzen Einführung einen ersten Überblick über die Unterschiede zwischen den beiden großen Varianten des Spanischen gegeben zu haben und wünschen Ihnen viel Spaß und Erfolg beim Lernen.

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