So bunt sind die Dialekte in Deutschland

Sie schnacken, schwätzen und babbeln: In Deutschland gibt es unzählige verschiedene Dialekte. So begrüßt man zum Beispiel die Verkäuferin in der Bäckerei regional höchst unterschiedlich: „Moin“ sagen die Norddeutschen, „juten Tach“ der Berliner und das bairische „Grüß Gott“ muss man nicht wirklich wörtlich nehmen.

Vom Schrippen-Krieg und gewaltfreien Differenzen

Germany Deutschland Fahne Flag Fingerprint. Foto: Pixabay, Public DomainAuch das nördlich des Weißwurstäquators bekannte „Brötchen“ bestellt man natürlich nicht überall. Was man im Hamburger Raum ganz pragmatisch „Rundstück“ nennt, verzehren die Bayern als „Semmel“. In Berlin lässt man sich die „Schrippe“ schmecken, in Schwaben „des Weckle“. Und auf diesen Unterschied wird Wert gelegt: So konnte man in Berliner Zeitungen schon häufig vom „Schrippen-Krieg am Prenzlauer Berg“ lesen. Aus Angst vor der angeblichen Invasion der Schwaben soll auch schon mancher Berliner Bäcker die Ausgabe von „Wecken“ verweigert oder zumindest spitz kommentiert haben.

Wobei der Schrippen-Krieg natürlich die Ausnahme ist. In einen offenen Konflikt engagieren sich die unterschiedlichen Dialekte eher selten: Meistens stehen sie bunt und friedlich nebeneinander und bereichern die deutsche Sprachlandschaft.

busuu, die weltweit größte Online-Community zum Sprachenlernen, hat sich einige Mundarten herausgepickt und Kurioses und Besonderes zu Bairisch, Hessisch und Co. zusammengetragen.

Die Bayern

Ganz im Süden, im bayerischen München, kann man das süffige Bier auf dem Oktoberfest genießen. Beim Anzapfen wird da jedes Jahr „Ozapft is“ gerufen. Bei den vielen „Zuagroasten“ (Zugereisten) muss der Einheimische schon öfter nachhaken: „Host mi?“ (Verstehst du mich?) und wenn nicht, dann heißt es eben „ja mei“ (da kann man nichts machen). Bairisch, das ist ein Dialekt, der – wie viele andere übrigens auch – ohne Genetiv auskommt.

Und auch Ä, Ö und Ü sind nicht sehr beliebt, doppelte Verneinungen dafür umso mehr. Statt „das interessiert doch kein Schwein“ setzt der Bayer lieber noch einen drauf und sagt „des interessiert doch koa Sau ned“ – was aber haargenau das gleiche bedeutet wie der erste Satz.

Übrigens: Bairisch und bayerisch darf man nicht verwechseln. Wegen einer königlichen Anordnung von Ludwig I. heißt es seit dem 19. Jahrhundert Bayern statt „Baiern“. Der Monarch, ein großer Griechenland-Fan, ersetzte das „i“ durch das „y“ aus dem griechischen Alphabet. Ist nun von der Sprache die Rede, heißt es bairisch, beim politischen Territorium ist es bayerisch.

Die Hessen

Der Äbbelwoi ist den Hessen heilig: Der Apfelwein ist Nationalgetränk und das wohl bekannteste Produkt der Region. Den kann man ganz „herrlisch“ (herrlich) oder „ferschterlisch“ (fürchterlich) finden, und an diesen zwei Ausdrücken sieht man ihn schon: den Hang, hartes Hochdeutsch in weiches Hessisch zu verwandeln. Beim Babbeln wird zum Beispiel aus „ich“ oft „isch“. Wortendungen lassen sich gut kürzen und aus dem B macht der Hesse ein geschmeidiges W: Aus „einen Hebel haben“ wird „Hewwelhawwe“.

Die Berliner

Unverblümt und ein bisschen schnoddrig: So kommt die Berliner Schnauze oft daher. In der Hauptstadt tummeln sich die Nationen und so finden sich auch sächsische, jiddische und französische Einflüsse im Berlinerischen. Den Buchstaben G gibt es praktisch nicht bzw. „jibt et nüscht“. Aus „au“ wird ein langgezogenes „oo“ („loofen“ statt „laufen“) und statt „ei“ sagt der Berliner „ee“ („keener“ statt „keiner“).

Der Unterschied zwischen „mir“ und „mich“ ist dem Berliner auch schnuppe (also egal) und statt „ich“, „das“ und „was“ sagt er lieber „ick“, „dit“ und „wat“. Im Dialekt ist es da korrekt, ein inniges „Berlin, ick liebe dir“ hinauszurufen.

Die Schwaben

Hier wird schwäbisch geschwätzt: Auch heute noch sind die Schwaben für ihre Sparsamkeit berühmt-berüchtigt. So wird ihnen, vor allem von „Reigschmeckten“ (Zugezogenen), gerne nachgesagt, ein eigenes Häuschen sei ihr oberstes Ziel im Leben („schaffe, schaffe, Häusle baue“). Einst war die Region jedoch sehr arm und die Menschen mussten mit dem wenigen, das sie hatten, auskommen.

Auch der Schwabe serviert harte Konsonanten lieber weich: P wird zu B, T zu D und aus K macht er ein G. Die Kröte ist zum Beispiel eine „Grodd“ und der Buckel „Buggel“. Außerdem fallen die vielen Verniedlichungen auf: Das Häusle im Gässle steht im Ländle. Ein „Schlägle“ hört sich im Gegensatz zu einem Schlaganfall ziemlich harmlos an.

Die Nordlichter

Einst hat die Welt Platt gesprochen: Im Mittelalter war Plattdüütsch die Weltsprache des hansischen Wirtschaftsraums. Doch diese Blütezeit des Plattdeutschen (auch Niederdeutsch genannt) ist längst vorbei: Trotzdem haben die beiden Länder Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern ihre Landesverfassungen ins Plattdeutsche übersetzt. So gibt es jetzt neben der deutschsprachigen auch die „Verfatung von dat Land Mäkelborg-Vörpommern“. Mit „Moin“ begrüßt man sich in Norddeutschland nicht nur am Morgen, auch über das Schietwetter (Mistwetter) kann man den ganzen Tag schnacken, also reden.

Quelle: busuu.com

Deutsche Dialekte
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